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Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V.

Pressemitteilung der Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V.

Die Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V. befürwortet die Schaffung von Arbeitsplätzen – ohne Frage! Neue Arbeitsplätze sollten aber vollwertige Arbeitsplätze sein! In der Logistikbranche wäre das nicht immer der Fall, denn Arbeitsbedingungen und Löhne der Beschäftigten und auch der LKW-Fahrer bewegen sich eher im Niedriglohnsektor, so Ulrich Schölermann, der neue Vorsitzende der BG Weetfeld.

In Pelkum ist geplant, das bestehende Industriegebiet „Inlogparc“ in Weetfeld von 26,2 Hektar auf 72 Hektar zu erweitern; Arbeitsplätze der Logistikbranche sollen hier entstehen. Mit Erschrecken hat die BG Weetfeld zur Kenntnis genommen, dass in Uentrop ebenfalls über 7,1 Hektar Freifläche für eine Logistikansiedlung genutzt werden soll. Hier läuft die Planung, der Investor sucht nach ansiedlungswilligen Firmen. Ende letzten Jahres wurde berichtet, dass auch im Gewerbegebiet Rhynern zurzeit 3,3 Hektar für den Logistiker Trans-o-flex bebaut werden.

Logistikfirmen überall! Schölermann ist der Meinung: „Es muss jetzt genug sein! Die Belastungen für die Bürger, die im Bereich der drei Gewerbegebiete oder an den zuführenden Straßen wohnen, klagen über die Emissionen durch den Schwerlastverkehr. Der Lärm besonders zu den Stoßzeiten und die gesundheitsgefährdenden Feinstäube haben ein nicht mehr hinnehmbares Ausmaß angenommen.“ Die Prognosen für die Zukunft zeigten sogar noch eine Zunahme des Verkehrs und des Warenhandels auf. Dabei wollen die politischen Entscheidungsträger im Bund, im Land und in den Kommunen doch den CO2-Ausstoß senken, um den Klimaanstieg endlich zu stoppen und ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen, sind davon aber meilenweit entfernt. Den Lippenbekenntnissen würden keine Taten in der erforderlichen Konsequenz folgen.

„Die Hammer Wirtschaftsförderung scheint Scheuklappen zu tragen, anders ist nicht zu erklären, dass sie ein Schwergewicht auf die Ansiedlung von Logistikfirmen legt“, so Schölermann. Einerseits „bedauert“ sie die erneute Ansiedlung von Logistikern in Uentrop, andererseits handelt sie nicht entsprechend, um in den Bebauungsplänen die nötigen Vorgaben festzusetzen, die ungebremste Logistikansiedlungen von vornherein verhindern. Aber vermutlich ist es am einfachsten, aus dieser Branche Investoren nach Hamm zu locken. Die geografische Lage Hamms an den Autobahnen A 1 und A 2, die Nähe zu den Autobahnen A 44 und A 445 sorgen für Voraussetzungen, die den Logistikern entgegen kommen, die aber die Hammer Bürger durch vielfältige Umweltbelastungen zu ertragen hätten. Ob diese Firmen die zahlungskräftigen Gewerbesteuerzahler sind, die eine Stadt wie Hamm so dringend benötigt, bezweifelt die BG Weetfeld.

Nicht verwunderlich wäre es daher, dass die Straßenplanungen um die Gewerbegebiete in Uentrop, Rhynern und Pelkum so zügig vorangetrieben würden wie zurzeit. Mit dem Weiterbau der A 445 von Hilbeck bis Rhynern, die Verlegung der Unnaer Straße direkt auf die Gewerbegebietszufahrt in Rhynern und den Bau der Monsterstraße B 63n von der Autobahnanschlussstelle Hamm-Bönen bis zur Heessener Straße quer durch das Hammer Stadtgebiet, teils als Hochstraße, sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass der Verkehr zügiger fließt – eine Mär, wie die BG Weetfeld feststellt! Denn damit könnten die Verkehrsprobleme in Hamm nicht gelöst werden. Ganz im Gegenteil dienten diese Planungen dazu, den Verkehr noch mehr zu verdichten, noch mehr Verkehre anzulocken und letztendlich die Umweltbelastungen durch Emissionen, durch Freiraumverbrauch, Landschaftszerschneidung und Biotopzerstörung noch weiter zu erhöhen. Die Zunahme des Pendlerverkehrs der Beschäftigten bekämen die Anwohner in Wiescherhöfen, Weetfeld und Selmigerheide jetzt schon täglich seit den frühen Morgenstunden zu spüren.

Die Planungen in Hamm wurden auch unlängst vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft beurteilt. Es war nicht unbedingt zu erwarten, dass selbst dieser Interessenverband die Schaffung der schlecht bezahlten Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor, die nur gering zu erwartende Gewerbesteuereinnahmen, die Zerstörung der Infrastruktur durch den Schwerlastverkehr und die nicht einzuhaltenden Prognosen neuer Arbeitsplätze kritisierte. Letzteres musste selbst die Hammer Wirtschaftsförderung im Wirtschaftsausschuss des Hammer Rates zugeben. Diese Befürchtungen decken sich mit denen der BG Weetfeld, die daher einen Stopp der weiterführenden Planungen des Inlogparcs mit der 45,8 Hektar großen Erweiterung des nördlichen Bauabschnitts fordert. Um den weiteren Freiraumverbrauch zu beenden und den Verlust landwirtschaftlicher Böden zu verhindern, müsse endlich ein Umdenken in der Hammer Kommunalpolitik und dem Planungsamt der Stadt Hamm stattfinden, so Ulrich Schölermann.

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Für die Richtigkeit:

Ulrich Schölermann, 1. Vorsitzender der BG Weetfeld, Weetfelder Straße 179, 59077 Hamm,

Telefon (02381) 443580, E-Mail: info@ulrich-schoelermann.de

Offener Brief der Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V.

An den Oberbürgermeister der Stadt Hamm und die Mitglieder des Rates der Stadt Hamm, den Bezirksvorsteher Pelkum und die Mitglieder der Bezirksvertretung Pelkum, die Planungs- und Umweltbehörden der Stadt Hamm!

„Es reicht! Genug ist genug!“ ist der Tenor der Anwohner der Wiescherhöfener, Weetfelder, Provinzialstraße und Selmigerheideweg, die die Auswirkungen des Inlogparcs ertragen müssen. Die Verkehre durch Sprinter und LKWs bis 40 t vom und ins Industriegebiet haben mittlerweile nicht mehr hinnehmbare Ausmaße erreicht. Die Straßen sind von Breite und Beschaffenheit nicht dafür ausgelegt, diese Verkehre aufzu­nehmen; die Folgekosten durch Straßensanierungen werden aber auf die Anleger umgelegt.

Die Führer der Fahrzeuge nehmen für sich Rechte in Anspruch, die ihnen nicht zustehen. Die Verkehrs­regelung ist eindeutig: LKWs über 3,5 t dürfen die Straßen nicht benutzen, Übertretungen gibt es ständig. Zudem wird die im Bebauungsplan festgesetzte Regelung der Lieferverkehre, die von der Autobahn kommend nur über Bönen erfolgen darf, permanent missachtet und durch die Ordnungs­behörden selten verfolgt.

Den Bürgern sollte die Planung auch nicht dadurch schmackhaft gemachen werden, dass die B 63n gebaut werden soll; neue Straßen induzieren neue Verkehre und tragen nicht zur Gesamtlösung bei.

Die Situation ist so nicht mehr hinnehmbar!

Im Regionalplan Ruhr wird neben dem Rangierbahnhof der Inlogparc als zweites Industriegebiet aufgeführt. Die 50-Hektar-Fläche in Norddinker ist nach Anwohnerprotesten aus diesem Plan heraus genommen worden. Es war unter Berücksichtigung des Klimaschutzes und der von der Bundes­regierung angestrebten Reduzierung des Flächenverbrauchs die einzig richtige Maßnahme!

Die BG Weetfeld fordert: Verzicht auf die Weiterplanung des 2. Bauabschnitts des Inlogparcs, der 45,8 ha groß sein würde! Die dafür benötigten Flächen weisen eine Bodenwertigkeit von 85 Punkten auf.  Sie werden im Umweltbericht als „schützenswert“ eingestuft und liegen deutlich über dem Durch­schnittswert anderer Ackerböden. Hier werden wertvolle Böden vernichtet!

Mit dem 1. Bauabschnitt des Inlogparcs (26,2 ha) haben Sie, Herr Oberbürgermeister, aus Ihrer Sicht einen Erfolg erreicht; damit muss es jetzt gut sein! Verzichten Sie auf die Aufstellung des 2. Bauab­schnitts! Lassen Sie hier die gleichen Gründe wirksam werden, die Sie bei der Zurücknahme der 50-Hektar-Fläche in Norddinker geltend gemacht haben. In Norddinker haben Sie darauf verwiesen, dass Sie ein 24,5 ha großes Gebiet aus dem B-Plan „K-Park Süd II“  herausgenommen und als „deutliches Zeichen für Belange des Natur- und Artenschutzes“ und der „Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft“ gesichert haben (Antrag CDU/SPD-Ratsfraktion 1134/20).

Nichts davon sieht man hier in Weetfeld! Hier wird nicht nur nichts für Natur, Landschaft und Artenschutz angestrebt, sondern hier werden genau diese Attribute vernichtet! Bewerten Sie die Menschen und die Landschaft in Norddinker (im schönen Stadtbezirk Uentrop) einerseits und in Weetfeld (im bergbau­geprägten Stadtbezirk Pelkum) andererseits nicht ungleich! Naturschutz in Uentrop, kein Naturschutz in Pelkum und darüber hinaus noch eine künftige Versiegelung von 45,8 ha Ackerfläche und Erholungsraum in Pelkum. Das darf so nicht geschehen!

Stoppen Sie den 2. Bauabschnitt des Inlogparcs in Weetfeld! Sie haben doch mit der Verwirklichung des 1. Bauabschnitts schon so viel bekommen, dass es Ihnen genug sein muss! Werten Sie nicht mit zweierlei Maß, sondern berücksichtigen Sie, was der Regionalverband Ruhr (RVR) auf der Bürgerver­sammlung im Januar 2019 in Ihrem Rathaus gesagt hat: „Der Inlogparc ist nach heutiger Vorstellung von der Planung eines Gewerbegebiets nicht mehr genehmigungsfähig, niemand würde heutzutage ein solches Gebiet an einem solchen Ort auf der grünen Wiese planen!“

Bürgergemeinschaft gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft e.V.

Der geschäftsführende Vorstand:

Ulrich Schölermann
1. Vorsitzender       

Dr. Stefan Reus       
2. Vorsitzender                                                           

Rudolf Franke-Herold
Schatzmeister